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Vertrauen in einen Heißsporn

Veröffentlicht: Mittwoch, 23. Januar 2013, 14.00MEZ
Geoffroy Serey Die ist der neue Mann im defensiven Mittelfeld des FC Basel 1893. Sein Leumund ist nicht einwandfrei, trotzdem sind sie beim Schweizer Meister von ihm überzeugt.
von Michael Schifferle
Vertrauen in einen Heißsporn
Geoffroy Serey Die will sich jetzt beim FC Basel beweisen ©Getty Images
Veröffentlicht: Mittwoch, 23. Januar 2013, 14.00MEZ

Vertrauen in einen Heißsporn

Geoffroy Serey Die ist der neue Mann im defensiven Mittelfeld des FC Basel 1893. Sein Leumund ist nicht einwandfrei, trotzdem sind sie beim Schweizer Meister von ihm überzeugt.

Die Meinungen waren schnell gemacht. "Der Typ ist wahnsinnig", urteilte Uli Stielike, im Herbst 2008 Trainer des FC Sion. "Verrückter", "Spinner" oder "Flegel" waren noch die netteren Ausdrücke, mit denen ihn Journalisten charakterisierten: Geoffrey Serey Die. Der 28-jährige ivorische Mittelfeldspieler hat einiges an Wirbel verursacht, seit er im Sommer 2008 zum FC Sion kam.

Überhartes Spiel warfen ihm die Gegner vor; allein im ersten Monat auf Schweizer Fußballplätzen sah er zwei Rote Karten, und wäre es damals nach Experten gegangen, wären es noch mehr gewesen. Im vergangenen Frühjahr dann ließ er sich zum vorläufigen Tiefpunkt hinreißen: Nach einer Niederlage beim FC Lausanne-Sport verpasste Serey Die einem 13-jährigen Balljungen eine Ohrfeige; acht Spiele wurde er gesperrt, hohe Geldstrafen folgten.

Er habe sich geschämt, ließ Serey Die danach wissen, so sehr, dass er es drei Tage nicht mal geschafft habe, seine dreijährige Tochter in den Arm zu nehmen. "Ich kann es auch heute noch nicht verstehen." Und was die Platzverweise angeht: "In Afrika wird einfach härter gespielt, daran musste ich mich erst gewöhnen", entschuldigte sich der Mittelfeldspieler. Immerhin muss man ihm zugutehalten: Den ersten beiden Roten Karten folgten bis Ende Dezember "nur" noch vier weitere.

Trotzdem, so denkt man, müssten derlei Aussetzer eine Karriere ernsthaft gefährden – doch nicht bei Serey Die: Soeben hat ihn der FC Basel verpflichtet, der Schweizer Double-Gewinner; dreieinhalb Jahre läuft der Vertrag. Und, ist man geneigt zu sagen, wenn ein Verein vom Format des FCB einen Spieler mit einem derartigen Leumund verpflichtet, dann muss der wenigstens sportlich einiges können.

Murat Yakin liefert die Begründung: "Serey Die ist ein Leader, ein temperamentvoller, erfolgshungriger Spieler, dessen Qualitäten und Verdienste ich schon lange kenne." Der Ivorer sei physisch stark, taktisch klug; es sei außerordentlich, was er sportlich leisten könne. Und ohnehin: "Ich mag die nicht ganz einfachen Spieler. Logisch, dass er auch einen speziellen Charakter hat. Aber ich weiß, wie Straßenfußballer funktionieren und wie man mit ihnen umgehen muss. Ich habe Vertrauen in ihn."

Serey Die tut derzeit alles, um seinen Trainer nicht zu enttäuschen. "Ich habe schon einiges gelernt und werde hier, bei einem so großen Verein wie dem FCB, weiter dazulernen. Schließlich will ich nicht als Kartensammler in Erinnerung bleiben", sagt der ehrgeizige Heißsporn mit einem zurückhaltenden Lächeln.

Erinnern soll man sich dereinst an Erfolge mit dem FCB, wie sie Serey Die schon in früheren Jahren errungen hat: Mit dem algerischen Verein ES Sétif gewann er 2008 die Arabische Champions League, und mit dem FC Sion holte er trotz aller Wirren zweimal den Schweizer Pokal, 2009 und 2011 – nicht so schlecht für einen "Wahnsinnigen".

Letzte Aktualisierung: 23.01.13 13.58MEZ

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