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Die Rückkehr des Rekordmeisters

Veröffentlicht: Freitag, 14. Dezember 2012, 15.55MEZ
Der Grasshopper Club war am Boden – finanziell wie sportlich. Nun überwintern die Zürcher als Tabellenführer, und plötzlich scheint der 28. Titel in Reichweite.
von Michael Schifferle
Die Rückkehr des Rekordmeisters
Steven Zuber ist einer der Leistungsträger beim Grasshopper Club ©Getty Images
Veröffentlicht: Freitag, 14. Dezember 2012, 15.55MEZ

Die Rückkehr des Rekordmeisters

Der Grasshopper Club war am Boden – finanziell wie sportlich. Nun überwintern die Zürcher als Tabellenführer, und plötzlich scheint der 28. Titel in Reichweite.

Es ist noch nicht lange her, da war er das Gespött der Fußball-Schweiz, er, der einst stolze, sportlich lange unanfechtbare Rekordmeister: der Grasshopper Club. Zwei glücklichen Fügungen hatte er es im vergangenen Sommer zu verdanken, dass er nicht das erste Mal nach über 50 Jahren absteigen musste: Xamax Neuchâtel FC wurde zwangsrelegiert, und dem FC Sion zog die Swiss Football League 36 Punkte ab. Hätten rein sportliche Kriterien entschieden – GC wäre jetzt in der Challenge League.

Den sportlichen Niedergang hatte auch Uli Forte nicht stoppen können. Mitte April war er als Nachfolger Ciriaco Sforzas zum Cheftrainer ernannt worden, und mit zwei Punkten aus sieben Spielen fiel seine Startbilanz so enttäuschend aus, dass es die wenigsten überrascht hätte, wäre er früh in der neuen Saison entlassen worden.

Nun, sechs Monate später, liegen diese Zeiten scheinbar weit zurück. Inzwischen empfindet man es nicht mehr als Zeichen von Realitätsverlust, wenn Forte sagt: "GC soll einen ähnlichen Weg gehen wie Dortmund" – wie der deutsche Meister der vergangenen beiden Jahre wohlgemerkt. Denn Fortes Vergleich lässt sich durch Zahlen stützen: GC ist Erster, hat 11 von 18 Spielen gewonnen und steht im Viertelfinale des Schweizer Pokals.

Eine Zürcher Zeitung schrieb von der "Auferstehung von GC" – ähnlich wie sie der BVB vor wenigen Jahren durchgemacht hat, die Rückkehr an die Spitze, die Flucht vor finanziellen und personellen Wirren – mit mehr als einem Beinahe-Konkurs und einigen Präsidenten-, Manager- und Trainerwechseln in den vergangenen Jahren.

Es fragt sich: Was hat sich geändert? So trivial die Erklärung klingt, so richtig ist sie: GC hat inzwischen eine Achse, die die Mannschaft trägt. Mit Stéphane Grichting, dem einstigen Nationalverteidiger, der kaum einen Zweikampf verliert und Fehler seiner Abwehrkollegen schnörkel- und anstandslos korrigiert; mit Veroljub Salatic, dem Strategen im Mittelfeld, dessen Ballsicherheit Ruhe einbringt; oder mit Roman Bürki, dem 22-jährigen Torwart, der an Erfahrung gewonnen und damit bedeutend zur Stabilität beigetragen hat.

Dazu kommen die Jungstars wie Izet Hajrovic oder Steven Zuber, die schon immer Talent hatten, es nun aber gewinnbringend einsetzen – Hajrovic mit seiner brillanten Schusstechnik, Zuber mit seiner Dynamik und seinen Stärken im 1:1.

Zudem herrscht seit der Amtsübernahme durch André Dosé, dem früheren Chef der Schweizer Fluggesellschaft Swiss, Ruhe an der Spitze. Die Finanzen sind gesichert, und im Hintergrund zieht Erich Vogel, der langjährige Manager und jetzige Berater, in sportlichen Angelegenheiten die Fäden.

Doch den jüngsten Erfolgen zum Trotz: Forte und sein Team üben sich in Demut – zu frisch sind noch die Erinnerungen an die vergangene Spielzeit. Egal was passiere, er lasse sich die Ankündigung, Meister werden zu wollen, nicht entlocken, sagt Forte. Ohnehin sei GC nicht der Favorit auf den Titel: "An der Spitze herrscht eine klare Zweiklassengesellschaft – Basel gegen den Rest. Basel ist das Team, das es zu schlagen gilt. Der FCB ist klarer Titel-Favorit", sagt der Trainer des Wintermeisters.

Er bringt die Metapher des Eichhörnchens hervor, das Nüsse sammeln solle wie die Grasshoppers Punkte, das so hart arbeiten müsse, damit es auch in schwierigen Zeiten noch von den Erträgen zehren könne. Und, so abgewetzt Fortes Metapher auch sein mag: Man nimmt sie ihm ab.

Letzte Aktualisierung: 14.12.12 14.10MEZ

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