
Der Mittelfeldspieler mit belgischem und türkischem Pass wechselte in der Winterpause aus der zweiten belgischen Liga von A.F.C. Tubize in die Division Nationale zu F91, und seit Karaca (zu dt.: das Reh) die Fäden im Mittelfeld zusammenhält, läuft es für Dudelange. Die ersten drei Spiele im neuen Jahr wurden alle gewonnen und der 1,69 Meter große Regisseur erzielte bei seinem Debüt für seinen neuen Klub sowie im darauf folgenden Spiel jeweils ein Tor.
Auch wenn Karaca in seiner dritten Partie ohne Torerfolg blieb, das Spiel in Differdange wurde mit 1:0 gewonnen. Der einzige Wermutstropfen für das wieder erstarkte F91 war die gleichzeitige Erfolgsbilanz des Tabellenführers und Meisterschaftskonkurrenten aus Esch. Jeunesse, der 22-fache Rekordmeister in Luxemburg, gewann ebenfalls alle drei Partien nach der Winterpause und konnte so den Abstand von sechs Punkten auf den Widersacher konstant halten.
Am 20. Spieltag sollte es nun zum direkten Duell zwischen dem Rekordmeister und Seriensieger Dudelange – Meister von 2005 bis 2009 – kommen. Trainer Jacques Muller und die „Schwarz-Weißen" aus Esch gaben sich jedoch betont zurückhaltend bei der Frage nach einer Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft: "Man könnte so langsam daran glauben, aber sicher sollte sich niemand sein; es bleiben dann noch sechs Spiele. Noch haben wir den Sieg gegen den F91 nicht in der Tasche." Etwas forscher klangen da die Töne aus dem Lager der Dudelanges. "Normal würde man sagen, dass bei einem Escher Sieg die Sache geritzt ist. Es wird aber erst am Schluss abgerechnet. Nur wenn mathematisch keine andere Lösung mehr möglich ist, werden wir uns ergeben. Wir sind realistisch genug zu wissen, dass ein Sieg Pflicht ist", hieß es bei Karacas Trainer Marc Grosjean im Vorfeld.
Scheinbar hatte nicht nur die Presse bei den Trainern genau hingehört, sondern auch die Spieler. Dudelange beherrschte Esch nach Belieben und offenbarte ungeahnte Schwächen in der sonst so starken Defensive von Jeunesse. Folglich war es auch Leitwolf Karaca, der den Torreigen für F91 eröffnete. Per Kopf erzielte er bereits in der 16. Minute die 1:0-Führung und damit sein drittes Saisontor. "Ich habe die Flanke gesehen, ich bin hineingehechtet und der Ball war drin. Dieses frühe Tor war enorm wichtig für unser Spiel."
Aber als Regisseur kann er nicht nur selber Tore erzielen, sondern auch mannschaftsdienlich vorbereiten. Der Neuzugang mit der Nummer 10 war an diesem Tag in absoluter Geberlaune und beglückte gleich drei Mal denselben Stürmer. Tomasz Gruszczynski profitierte bei all seinen Toren von der glänzenden Vorarbeit Karacas und besiegelte die 0:4-Klatsche von Esch. Nach dem Spiel zog der fleißige Passgeber ein positives Fazit: "Wir haben heute das gemacht, was wir machen mussten. Es war klar, dass ein wichtiges Rendezvous anstand. Mit einem glücklichen Ende für die Mannschaft und auch für mich persönlich."
Nach diesem so wichtigen Sieg für Dudelange schmilzt der Vorsprung von Esch auf magere drei Punkte und Karaca wittert Morgenluft im Meisterschaftskampf: "Seit meiner Ankunft konnten wir alle Spiele gewinnen und ich durfte mein Können zeigen. Jetzt konnten wir den Meisterschaftskampf neu entfachen. Am Schluss wird abgerechnet und dann muss man sehen, wo wir stehen."
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