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Rudņevs erobert HSV-Herzen

Veröffentlicht: Freitag, 14. Dezember 2012, 10.54MEZ
Lettlands Nationalstürmer Artjoms Rudņevs ist beim Hamburger SV zu einer wichtigen Größe gereift - dabei sah es am Anfang seiner Bundesligazeit nicht danach aus.
von Steffen Potter
Rudņevs erobert HSV-Herzen
Artjoms Rudņevs ist beim Hamburger SV heimisch geworden ©Getty Images
Veröffentlicht: Freitag, 14. Dezember 2012, 10.54MEZ

Rudņevs erobert HSV-Herzen

Lettlands Nationalstürmer Artjoms Rudņevs ist beim Hamburger SV zu einer wichtigen Größe gereift - dabei sah es am Anfang seiner Bundesligazeit nicht danach aus.

Seit Thorsten Fink vor gut einem Jahr das Ruder beim Hamburger SV übernahm, hat er immer und immer wieder versucht, das Sieger-Gen des FC Bayern München, für den er einst spielte, auf seine Mannschaft zu übertragen. Phasenweise wirkte das ein wenig krampfhaft, wenn der Übungsleiter immer wieder vom Siegeswillen, dem Europapokal und dem Wunsch, das Optimum rauszuholen sprach, und seine Akteure auf dem Platz blutleere Vorstellungen hinlegten.

Letzte Saison wurde nur knapp der Abstieg vermieden, in dieser Spielzeit ging es fast noch negativer los. Aber mit zehn Punkten aus den letzten fünf Spielen hat sich der Hamburger SV nun auf Rang sieben vorgeschoben, nur einen Zähler von den Europapokalplätzen entfernt - all das auch noch ohne den verletzten Spielmacher Rafael van der Vaart. "Als ich vor 14 Monaten begann, dachte der eine oder andere, er wäre schon wer. Jetzt haben alle begriffen, dass der HSV ein Team ist. Wir haben eine Chance auf Europa. Wenn andere Teams schwächeln, haben wir eine Chance", sagt Fink nun.

Es scheint, als ob das komplizierte Puzzle HSV langsam gelöst wird und ein wichtiges Teil in diesem Puzzle ist neben Van der Vaart und Torwart René Adler eben auch Stürmer Artjoms Rudņevs, der bei dem Bundesliga-Dino so langsam heimisch wird. Der erste Lette in der Bundesligageschichte kam im vergangenen Sommer vom KKS Lech Poznań, mit dem er in der UEFA Europa League schon für Furore sorgte, als man dank eines Rudņevs-Tores Juventus in der Gruppenphase ausschaltete und bis ins Achtelfinale vorstieß, wo gegen den SC Braga dann Endstation war.

So gut ging es in der Bundesliga für den 24-Jährigen allerdings nicht los. Der bullige Arbeiter wirkte eher etwas unbeholfen, teilweise verlor er unnötig die Bälle und die Süddeutsche Zeitung fand, dass er aussah wie "ein Wolf, der sein Rudel verloren hat" - zu allem Überfluss trug er auch noch das Trikot mit der Nummer 10. Manch einer raunte hinter vorgehaltener Hand schon von einem Fehleinkauf, bis der Neuzugang am 29. September den HSV mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg gegen Hannover 96 schoss. Sechs Tore und drei Vorlagen später sind sie alle von ihm angetan, nach seinem Doppelpack am letzten Wochenende beim 2:0 gegen die TSG 1899 Hoffenheim schallten Rudņevs-Sprechchöre durch die Arena. Mittlerweile ist der Lette der beste Scorer seiner Mannschaft.

"Es wird immer leichter für mich, desto länger ich hier bin. Man braucht eben etwas Zeit, um sich an alles zu gewöhnen", erklärte Rudņevs, der nun wirklich nicht wie ein Feingeist wirkt. Dafür aber arbeitet er die ganze Spielzeit über, läuft, kämpft und hat sich so ins Herz der HSV-Fans gerackert, wie das bei seinen vorherigen Vereinen ebenfalls der Fall war. Vor dem Tor zeichnet er sich durch schnelle Abschlüsse aus. "Als Stürmer ist er schwer zu verteidigen, weil er selbst nicht weiß, wohin er schießt. Der denkt nicht nach, der fackelt nicht lange. Er haut einfach drauf. Er hat links und rechts einen Schuss wie ein Pferd", erklärte sein Vereinstorhüter Adler nun. Filigran ist er eigentlich also nicht, aber seinen Pass auf Maximilian Beister zum Führungstreffer in Wolfsburg wollte das Hamburger Abendblatt am liebsten "einrahmen" und "im Pariser Louvre ein Plätzchen finden".

Aleksandrs Starkovs, Lettlands Nationaltrainer, ist jedenfalls froh, dass sein Schützling in Deutschland heimisch wird: " Rudņevs ist einer der Anführer der Nationalmannschaft. In der Qualifikation [zur FIFA-WM 2014] war er einer unserer besten Spieler. Leider trifft er bei uns nicht so oft, aber Artem hilft dem Angriffsspiel oft auf andere Art und bereitet Tore vor. Es freut mich, dass er in Hamburg trifft und zeigt, dass lettische Fußballer ernst zu nehmen sind und auf so hohem Level wie der Bundesliga spielen können." Das Fazit von Hamburgs Sportchef Frank Arnesen über den lettischen Nationalspieler ist ebenfalls ermutigend: "Ein extrem hungriger Junge". Wenn Rudņevs und seine Mitspieler beim HSV weiter hungrig bleiben, ist vielleicht am Ende der Saison wirklich ein Europapokalplatz möglich.

Letzte Aktualisierung: 14.12.12 11.08MEZ

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