
Vier Siege zum Start einer Bundesliga-Saison, wie es Eintracht Frankfurt geschafft hat, sind in 50 Jahren Bundesliga keinem Aufsteiger gelungen.
Nicht einmal dem 1. FC Kaiserslautern, der 1997/98 als Aufsteiger Meister wurde. Der Frankfurter Erfolg ist nicht etwa einem einfachen Auftaktprogramm geschuldet, so bekam man es unter anderem mit den ambitionierten Teams von Bayer 04 Leverkusen und dem Hamburger SV zu tun, die man beide in die Schranke weisen konnte. Die Reifeprüfung folgte dann am Dienstagabend: Mit Borussia Dortmund war der Deutsche Meister der letzten beiden Spielzeiten zu Gast und führte schnell 2:0, alles sah danach aus, als sollte es den ersten Dämpfer für die Hessen geben - am Ende stand es nach einem fantastischen Bundesliga-Spiel 3:3 und BVB-Coach Jürgen Klopp konstatierte: "Vom Umschaltspiel ist das das Beste, was ich je von einer Frankfurter Mannschaft gesehen habe. Das ist richtige Qualität.
"
Ein Lob aus allerhöchstem Munde also. Und in der Tat ist das das Interessante an den Erfolgen der Eintracht: Sie sind nicht glücklich zustande gekommen oder nur mit Konterfußball - nein, hier haben Verein, Trainer und Mannschaft ganz bewusst an einer bestimmten Art Fußball zu spielen gearbeitet, dafür wurden dann die richtigen Spieler geholt und nun passt es auch noch auf dem Platz zusammen. Die Eintracht spielt ein technisch hochwertiges Spiel, das auf Ballbesitz und schnelle Offensivaktionen ausgerichtet ist. 14 Tore nach fünf Spielen - nur Bayern (17) hat mehr - sprechen da eine deutliche Sprache. Auch in der Aufstiegssaison erzielte die Mannschaft von Armin Veh die meisten Tore in der 2. Liga. Als Veh 2006/07 mit dem VfB Stuttgart überraschend Meister wurde, tat er das mit Offensivfußball. Vom Titel redet am Main aber natürlich niemand. "Es ist schön oben zu stehen – wir wissen es aber einzuordnen", so Veh."Damit sind wir unserem Ziel Klassenerhalt wieder näher gekommen. Vielleicht kommen ja auch wieder andere Zeiten."
Fast ein wenig im Schatten der SGE und mit eigentlich den genau gegensätzlichen Mitteln schreibt Fortuna Düsseldorf seine eigenen Erfolgsgeschichte. Seit 15 Jahren war der ehemalige Europapokalfinalist nicht mehr in der höchsten Spielklasse vertreten und schaffte die Rückkehr im Mai nur über die Relegation. Für viele sind (waren?) die Rheinländer auch gleich der erste Abstiegskandidat.
Für Trainer Norbert Meier war klar, dass der Weg zum Klassenerhalt nur über eine gesunde Defensive geht. Die Ergebnisse nach fünf Spielen? 2:0, 0:0, 0:0, 0:0 und 2:0. In der ersten Runde des DFB-Pokals siegte man beim Drittligisten SV Wacker Burghausen mit - na klar - 1:0. "Es zeigt nur, dass sehr gut klappt, was wir uns für jedes Spiel vornehmen: aggressiv und mit Leidenschaft zu Werke gehen. Wir haben insgesamt einen guten Start hingelegt. Schließlich sind wir ja für alle Beobachter als klarer Underdog in die Runde gestartet", erklärte F95-Torwart Fabian Giefer - der Unbezwungene. Zwischenergebnis: Fortuna steht in der Tabelle vor Double-Sieger Dortmund.
In einer Zeit, in der der Offensivfußball als das Maß aller Dinge gilt, ruft das bei den Gegnern nicht immer nur Begeisterung hervor. "Ich bin mal gespannt, wie lange es Fortuna noch aushält, mit dieser Taktik kein Gegentor zu bekommen", beschwerte sich Manager Fredi Bobic vom VfB Stuttgart nach einem torlosen Remis gegen die Meier-Elf. Andere, wie Trainer Christian Streich vom SC Freiburg, zollen Komplimente: "Düsseldorf spielt einfach klasse gegen den Ball. Alle arbeiten nach hinten. Da ist es schwierig, ein Tor zu machen."
Für Meier entsteht die Defensivstärke einfach nur aus der normativen Kraft des Faktischen: "Wir wollen ja nach vorne spielen. Nur der Gegner lässt das nicht immer zu.
Wenn es nach mir geht haben wir jedes Mal 90 Prozent Ballbesitz, alle zwei Minuten eine Großchance und erzielen alle zwölf Minuten ein Tor." Dass ihn die Kritik doch ein wenig getroffen hat, zeigt sein Sarkasmus in einem TV-Interview. "Eigentlich legen wir nur noch Wert auf Defensivarbeit, wir wollen gar nicht mehr nach vorne spielen. Das ist unser Ziel", sagte der 53-Jährige da. Sollte am Ende der Klassenerhalt dabei rausspringen, würde das die Fortuna-Fans vermutlich herzlich wenig interessieren.
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