
Am Samstagabend treffen mit dem FC Bayern München und Borussia Dortmund die zurzeit beiden besten deutschen Fußballmannschaften im Endspiel des DFB-Pokals aufeinander. Nur der FC Bayern steht jetzt noch zwischen den Schwarz-Gelben und dem totalen nationalen Triumph. Das Duell zwischen dem Meister und dem Vizemeister im Pokalendspiel gab es seit der Bundesligagründung 1963 erst ein einziges Mal: 2005 gewann Meister Bayern in Berlin mit 2:1 gegen den Tabellenzweiten FC Schalke 04. Gerne verweist man beim Rekordmeister darauf, dass man damals in der Liga beide Spiele gegen Schalke mit 0:1 verlor - wie es in dieser Saison auch gegen den BVB der Fall war.
Doch die Negativserie der Bayern gegen die Elf von Jürgen Klopp beträgt mittlerweile sogar vier Niederlagen in Folge. Fünf Siege hintereinander gegen den FCB sind bisher noch keiner Mannschaft gelungen. "Jede Serie reißt mal. Es war immer eng, wenn wir gegen sie verloren haben. Sie haben uns nie klar geschlagen", so die Kampfansage von Bayerns Verteidiger Jérôme Boateng, der sich besonders auf die Partie in seiner Heimatstadt Berlin freut. "Berlin ist eine Riesenmotivation für mich, weil ich dort aufgewachsen und groß geworden bin. Ich will in meiner Stadt Berlin den Pokal holen."
Da kommt es ihm zugute, dass der FC Bayern im DFB-Pokal das Maß aller Dinge ist. 17 Mal standen die Roten im Endspiel, 15 Mal durfte man am Ende den legendären goldenen Pokal in die Höhe stemmen. Die zweitmeisten Pokalsiege weist der SV Werder Bremen auf, doch sechs Triumphe verblassen gegenüber den Bayern fast und kaum erwähnenswert scheinen da die zwei Finalsiege Dortmunds bei vier Endspielteilnahme.
Doch all das ist natürlich nur Vergangenheit und dürfte auf die Gegenwart am Samstag, 20 Uhr, wenig Auswirkung haben. Oft wird gesagt, dass ganz Fußballdeutschland auf das Pokalendspiel blickt, selten dürfte das so wahr gewesen sein wie an diesem Wochenende. "Platz eins gegen Platz zwei, Deutscher Meister gegen Champions-League-Finalist - das ist eines der größten Spiele, die es je gegeben hat in Deutschland, und dementsprechend intensiv sind die Gedanken", erklärte Klopp am Donnerstag - Trainer und Mannschaft des BVB scheinen noch lange nicht satt und das Double hat man schließlich noch nie in der Vereinsgeschichte feiern dürfen. "Ich kann mir keinen besseren Ort für so ein Finale vorstellen. Mit dem Fangnetz der gewonnenen Meisterschaft greifen wir nach dem weit entfernten Stern, der Double heißt. Gefeiert wird auf jeden Fall!"
Beide Mannschaften haben kaum Ausfälle zu beklagen, bei den Bayern fehlen die Dauerverletzten Breno und Daniel van Buyten, während bei Dortmund Mario Götze nach langer Verletzungspause wieder an Stärke gewinnt. Die Fans dürfen sich also auf zwei Mannschaften in Bestbesetzung freuen, die sich nichts schenken werden. Das hat auch Bastian Schweinsteiger erkannt, der mit seinem sechsten Pokalsieg mit Rekordhalter Oliver Kahn gleichziehen könnte: "Es wird mit das schwerste Spiel für uns sein, was ich in meinen fünf Pokalfinals gemacht habe."
Bei aller Euphorie über das Berliner Spiel steht für den FC Bayern eine Woche später eine Partie an, deren Bedeutung alles weitere dann doch übertrifft: Am 19. Mai empfangen die Münchner im eigenen Stadion Chelsea FC zum Endspiel der UEFA Champions League - eine Jahrhundertchance. "Es gelingt nicht, Chelsea ganz aus dem Kopf zu bekommen. Dazu ist es ein zu großes Event
", musste Toni Kroos einräumen. Aber dass dies den Vizemeister negativ beeinflusst, glaubt Torwart Manuel Neuer nicht: "Natürlich wurde viel über das Champions-League-Finale berichtet. Aber man hat gesehen, wie wir uns in Gladbach über den Einzug ins Pokalfinale gefreut haben. Wir sind heiß auf dieses Spiel und wollen diesen Titel gewinnen!" Und damit Dortmunds totalen nationalen Triumph verhindern.
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