Frauen stärken durch Fußball

Fußball kann Frauen stärken, Gleichberechtigung fördern und Klischees bekämpfen, so die Leiterin der UEFA-Abteilung Frauenfußball, Nadine Keßler, bei einer Konferenz des Europäischen Parlaments in Brüssel.

Die Leiterin der UEFA-Abteilung Frauenfußball, Nadine Keßler.
Die Leiterin der UEFA-Abteilung Frauenfußball, Nadine Keßler. ©UEFA

Die Stärkung von Frauen durch Sport stand in dieser Woche im Mittelpunkt einer Konferenz des Europäischen Parlaments in Brüssel, bei der die Leiterin der UEFA-Abteilung Frauenfußball, Nadine Keßler, die Vorstellungen der UEFA und das Engagement des europäischen Fußballdachverbands, den beeindruckenden Boom des Frauenfußballs aufrechtzuerhalten, erläuterte.

Die Veranstaltung wurde organisiert von der interfraktionellen Arbeitsgruppe Sport des EU-Parlaments, in der EU-Abgeordnete aus verschiedenen Fraktionen zusammenkommen, um über sportbezogene Themen wie Fußball zu sprechen. Neben den Abgeordneten waren bei der Veranstaltung mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen für den Bereich Sport zuständige Vertreter verschiedener europäischer Institutionen sowie Repräsentanten internationaler Sportverbände und anderer Interessenträger anwesend.

Nadine Keßler (links) bei der Konferenz in Brüssel.
Nadine Keßler (links) bei der Konferenz in Brüssel.© European Parliament

Die Konferenz bildete die Fortsetzung des schon lange währenden, positiven Dialogs zwischen der UEFA und den europäischen Institutionen. Im Februar hat die UEFA eine neue formelle Kooperationsvereinbarung mit der Europäischen Kommission unterzeichnet. Ferner unterhält die UEFA regelmäßige Gespräche mit der Gruppe „Friends of Football“ (Freunde des Fußballs), die aus Abgeordneten des EU-Parlaments besteht.

Unter Aleksander Čeferin als Präsident hat die UEFA die Förderung des Frauenfußballs zu einer ihrer Prioritäten gemacht. Neben dem UEFA-Frauenfußball-Entwicklungsprogramm, bei dem der europäische Dachverband Hand in Hand mit seinen 55 Mitgliedsverbänden an der Förderung des Frauenfußballs arbeitet, zielen auch Kampagnen wie Together #WePlayStrong darauf ab, mehr Mädchen zum Fußballspielen zu bringen und die Wahrnehmung des Frauenfußballs zu verändern.

Die UEFA freut sich ferner über die Gelegenheit, zur Debatte um Gleichberechtigung im Sport beizutragen, die unter dem Gesichtspunkt der Good Governance einen wichtigen Punkt und ein zentrales Element der UEFA-Strategie für die Zukunft darstellt.  

Keßler, die 2014 von FIFA und UEFA zur besten Spielerin weltweit bzw. in Europa gewählt wurde, erklärte bei der Konferenz, dass Sport für das körperliche und geistige Wohlergehen des Menschen unerlässlich sei: „Er hilft uns, Selbstbewusstsein zu entwickeln, unser Selbstvertrauen zu verbessern und mit Schwierigkeiten im Leben zurechtzukommen. Kurz gesagt, er bereichert uns. In meinem Fall hat mich der Fußball zu dem gemacht, was ich heute bin. Er hat es mir ermöglicht, diese innere Stärke zu entwickeln und parallel dazu eine Entschlossenheit, die mir hilft, über Rückschläge hinwegzukommen. Ich bin mir sicher, dass ich ohne den Fußball viel weniger über andere Kulturen erfahren und längst nicht so viele Orte in der Welt bereist hätte. Ich hätte auch nicht gelernt, wie wichtig es besonders heutzutage ist, bestimmte Prinzipien und Werte zu haben, an die man sich hält. Der Fußball lehrt einen, wie man im Leben mit anderen Menschen umgeht.“

Die Leiterin der UEFA-Abteilung Frauenfußball erwähnte auch die enorme Kraft des Sports und des Fußballs im Besonderen und seine über das Sportliche hinausgehende Funktion. „Es ist deshalb ganz wichtig“, fuhr sie fort, „dass Frauen sich im Fußball engagieren und Zugang zu diesem wunderbaren Sport erhalten. Mehr sportliches Engagement bedeutet für Frauen mehr Selbstbestimmung. Er steigert das gesundheitliche und allgemeine Wohlbefinden, verbessert das Selbstvertrauen und lehrt einen Führungsstärke, Teamgeist und Durchhaltevermögen. Wir wissen aus eigenen Untersuchungen, dass Mannschaftssportarten dem Selbstbewusstsein von Mädchen zuträglich sind – das ist die Kernbotschaft unserer Kampagne Together #WePlayStrong.“

Nadine Keßler betonte auch, dass Frauenfußball ein Instrument im Kampf für Gleichberechtigung und Emanzipation sowie gegen Diskriminierung und Klischees sein könne. „Bei der UEFA“, erklärte sie, „wollen wir zunächst schauen, wie wir speziell auf Mädchen zugeschnittene Möglichkeiten des Zugangs zum Fußball schaffen können. Wir möchten Strukturen schaffen, dank denen auf allen Ebenen weibliche Vorbilder und Führungspersönlichkeiten entstehen, und unsere Wettbewerbe dazu nutzen, für das Thema zu sensibilisieren und unsere Botschaft zu verbreiten.“

An der Konferenz nahmen Vertreter zahlreicher Interessenträger teil.
An der Konferenz nahmen Vertreter zahlreicher Interessenträger teil.© European Parliament

Die UEFA befinde sich derzeit in einer spannenden Phase, was den Frauenfußball betreffe, so Keßler weiter. „Wir möchten den Frauenfußball als das feiern und fördern, was er ist – nämlich ein wichtiger Teil der Fußballfamilie. Wir möchten mehr Frauen für den Fußball begeistern, Wachstumsziele setzen, Entwicklungswege und Chancen für Mädchen und Frauen eröffnen – kurz: die Bühne bereiten, auf der Frauen glänzen können.“

Schließlich verwies sie auch darauf, dass die UEFA sich dafür einsetze, dass mehr Frauen wichtige Ämter und Führungspositionen im europäischen Fußball besetzten. „In Europa gibt es 443 Millionen Frauen“, unterstrich sie. „Und der Frauenfußball muss all denjenigen Frauen und Mädchen zugänglich sein, die daran teilhaben möchten.“

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