Klublizenzierung und finanzielles Fairplay halten Klubs auf Kurs

Das finanzielle Fairplay funktioniert und bewirkt eine positive Wende für die Finanzen des europäischen Klubfußballs – eine deutliche Botschaft aus Montenegro, wo der jährliche UEFA-Workshop zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay stattgefunden hat.

©Savo Prelević

Der Montenegrinische Fußballverband (FSGC) hat Vertreter der UEFA, ihrer 55 Mitgliedsverbände und Gäste von der FIFA und ihren Konföderationen AFC, CAF, CONCACAF und CONMEBOL zur 16. Ausgabe des jährlichen UEFA-Workshop zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay willkommen geheißen, bei dem verschiedene aktuelle Herausforderungen im Bereich der Klublizenzierung und finanzielle Trends besprochen wurden.

Der UEFA-Leiter Klublizenzierung, Aleš Zavrl, hob die Tatsache hervor, dass von den 555 bei der UEFA eingegangenen Lizenzanträgen 491 gewährt worden seien, was der höchsten Rate seit der Einführung des Verfahrens entspreche.

Den rund 160 Lizenzierungs- und Finanzexperten aus ganz Europa wurden zudem die jüngsten Zahlen präsentiert, die aus der Analyse von über 700 Klubs resultieren. Daraus ging insbesondere hervor, dass die Erstligaklubs im letzten Jahr höhere Betriebsgewinne erzielt haben als je zuvor und dass die Gesamtverluste der Vereine – (nach Berücksichtigung von Transfers und Finanzierung) das fünfte Jahr in Folge zurückgegangen sind von EUR 1,7 Mrd. vor der Einführung des finanziellen Fairplays auf knapp über EUR 260 Mio.

Verbesserte finanzielle Stabilität und Performance machen sich in ganz Europa bemerkbar, wobei über die Hälfte der europäischen Ligen dank Transfergewinnen und den von der UEFA im Zusammenhang mit Wettbewerben entrichteten Beiträgen zum ersten Mal überhaupt rentabel wirtschaften. Auch bei den überfälligen Verbindlichkeiten lagen weiterhin erfreuliche Ergebnisse vor: Per 30. Juni 2017 beliefen sich die überfälligen Verbindlichkeiten gegenüber anderen Klubs, Angestellten und Sozialversicherungsinstitutionen bzw. Steuerbehörden auf knapp EUR 7 Mio.

Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass das finanzielle Fairplay funktioniert und sich positiv auf die finanzielle Situation im europäischen Klubfußball auswirkt. Die deutlichen Auswirkungen des Systems zeigen sich zudem in der kontinuierlichen Abnahme der Nettoschulden der Klubs, die einen absoluten Tiefststand erreicht haben und sich auf gerade einmal 35 % der Jahreseinnahmen belaufen.

Beim Workshop wurden aktuelle Informationen zur FIFA-Klublizenzierung erteilt und es fand eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der FIFA sowie der UEFA-Schwesterkonföderationen statt, die über ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Gegebenheiten bei der Umsetzung der Klublizenzierung auf ihrem jeweiligen Kontinent diskutierten.

Ein wichtiges Thema beim diesjährigen Treffen war die Weiterentwicklung der Klublizenzierung mit Blick auf seine Anpassung an die sich rasch verändernde Fußballlandschaft in Europa.

In diesem Zusammenhang präsentierte die UEFA den Teilnehmern die jüngsten Ergebnisse eines ihrer Forschungsprojekte zu Erfolgsfaktoren für Juniorenakademien in Europa und wie diese im Rahmen der Klublizenzierung zur Anhebung der Standards eingesetzt werden könnten.

Verschiedene Nationalverbände wurden eingeladen, nationale Klublizenzierungsinitiativen zu präsentieren und zu erörtern, wie diese verwendet werden könnten, um Governance und Management auf Liga- und Vereinsebene zu verbessern.

Die Vertreter aller 55 UEFA-Mitgliedsverbände nahmen an Gruppendiskussionen teil, wo sie Probleme wie die finanzielle Polarisierung und die Konzentration von Transfers vorbringen und neben dem Erfahrungsaustausch auch neue Ideen einbringen konnten, worauf beim System in Zukunft zu achten ist.

Michele Uva, UEFA-Vizepräsident und Vorsitzender der Klublizenzierungskommission, lobte dieses vorausschauende Vorgehen und sagte: „Als das Klublizenzierungsverfahren 2004 eingeführt wurde, zielte es in erster Linie darauf ab, die Mindeststandards in der europäischen Fußball-Governance anzuheben, nachdem zahlreiche Fälle von Misswirtschaft bekannt geworden waren, die Vereine in einigen Fällen sogar in den Ruin getrieben haben. Seither wurde jedoch viel erreicht […]. Ich wünsche mir nur, dass wir uns weiterhin so entschlossen engagieren und vorwärts blicken, um jegliche Entwicklung, die diesen Zielen zuwiderlaufen würde, zu unterbinden.“