UEFA-Präsident fordert Schutz der Fußball-Werte

UEFA-Präsident Michel Platini hat bei einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Brüssel eindringlich gefordert, die grundlegenden Werte des Fußballs gegen eine Vielzahl an Gefahren zu schützen.

UEFA-Präsident Michael Platini
UEFA-Präsident Michael Platini ©Lode Saidane

UEFA-Präsident Michel Platini hat bei einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Brüssel eindringlich gefordert, die grundlegenden Werte des Fußballs gegen eine Vielzahl an Gefahren zu schützen.

Finanzielles Fairplay
Bei seiner Ansprache am Mittwoch trat Platini unter anderem entschieden für die Idee des finanziellen Fairplays ein, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wettbewerbe zu gewährleisten. Er merkte an, dass der Fußball nicht wie eine wirtschaftliche Tätigkeit gesehen und die Besonderheit des Sports berücksichtigt werden sollte. Außerdem sprach sich der UEFA-Präsident für ein Ende des Handels mit jungen Spielern aus, er forderte ein Verbot für internationale Transfers von Fußballern unter 18 Jahren.

Werte in Gefahr
"Der Fußball überwindet Grenzen, er lässt Unterschiede in den Hintergrund rücken, er schafft Begeisterung", sagte Platini. "Heute stehe ich hier vor Ihnen, weil der Fußball, der Sport, der mich groß gemacht hat und der mich die stärksten Emotionen meines Lebens, positive wie traumatische, durchleben ließ, in Gefahr ist. Die Werte, die der Fußball vermittelt, sind in Gefahr."

Besonderheit des Sports
Der UEFA-Präsident forderte, dass die Besonderheit des Sports unbedingt beachtet werden muss. "Wir sind noch nicht am Ziel, da es nach wie vor die etwas merkwürdige Tendenz der europäischen Institutionen gibt, die Einheit der Fußballpyramide in Frage zu stellen und seine professionelle Spitze isoliert zu betrachten", sagte er. "Dies nährt die falsche Vorstellung, der professionelle Teil des Fußballs sei eine wirtschaftliche Tätigkeit wie jede andere."

Keine vollständige Anerkennung
"Die Besonderheit des Sports, die von diesem Parlament ebenso wie von den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten anerkannt wird, wird leider in einigen Kreisen, die das Wettbewerbsrecht als das Grundgesetz der EU verstehen, nach wie vor verneint. Wir lehnen es kategorisch ab, dass man uns eine Zwangsjacke anlegt oder in vorgefertigte Modelle presst, die auf der Gleichung beruhen, Profisport sei eine rein wirtschaftliche Aktivität."

Bestimmte Auswüchse
Der UEFA-Präsident sprach über die Unfähigkeit des Spitzenfußballs, bestimmte Auswüchse zu korrigieren, wie etwa in den Bereichen Spielergehälter und Transferangebote. " Das europäische Sportmodell beruht auf offenen Ligen, unabhängigen Klubs und dem System von Auf- und Abstieg", erklärte Platini. "Eins ist jedoch sicher: Die europäischen Klubs sagen uns heute, dass unser System mittelfristig von einer finanziellen Implosion bedroht ist. Mit ihnen, aber auch auf Antrieb der Berichte dieses Parlaments hin, untersuchen wir derzeit die Idee, die Personalkosten eines Klubs, d.h. Gehälter und Transferausgaben, an einen bestimmten Prozentsatz seiner direkten und indirekten sportlichen Einnahmen zu binden."

Dialog über die Zukunft
"Ich denke, es ist nur legitim, dass die UEFA selbst über die Teilnahmebedingungen für die von ihr organisierten Wettbewerbe entscheidet", so Platini. "Wir werden selbstverständlich niemandem ein Diktat auferlegen. Wir sind letzten Endes erst am Anfang dieser Überlegungen. Aber sie werden im Rahmen des Dialogs mit den Klubs über das Klublizenzierungsverfahren weitergeführt werden. Änderungen werden nur im Einvernehmen und zu dessen Stärkung vorgenommen."

Moralisch richtige Richtung
"Hindern Sie uns auf jeden Fall nicht aufgrund einer nicht geeigneten Gesetzgebung daran, ein System finanziellen Fairplays zu schaffen. Hindern Sie uns nicht daran, Mechanismen einzuführen, die eine ordnungsgemäßere Durchführung unserer Wettbewerbe und eine erhöhte Transparenz unserer Geschäftstätigkeit ermöglichen. Hindern Sie uns nicht daran, Schritte in die moralisch richtige Richtung zu machen. Insbesondere dann nicht, wenn alle Beteiligten, Klubs, Spieler, Nationalverbände, mit meinen Vorschlägen zur Erhöhung der finanziellen Transparenz und zur Verbesserung der Governance einverstanden sind."

Junge Spieler
Im Bezug auf Kinder und junge Spieler sagte Platini: "Die ganze Welt ist zu Recht schockiert, wenn sich herausstellt, dass in einer Fabrik, die Fußbälle herstellt, Kinder arbeiten. Wenn am nächsten Tag das Fernsehen junge [brasilianische] Talente im Alter von neun Jahren zeigt und berichtet wird, dass große europäische Klubs bereit sind, Verträge mit diesen jungen Wunderkindern abzuschließen, so stört sich daran jedoch kaum jemand. Dies ist ein klassischer Fall, in dem mit zweierlei Maß gemessen wird."

Kinderhandel
"Ein Kind zu bezahlen, damit es gegen einen Ball tritt, unterscheidet sich kaum davon, ein Kind zu bezahlen, am Fließband zu arbeiten. In beiden Fällen handelt es sich um die Ausbeutung von Minderjährigen. Und wenn man ein Kind oder seine Eltern dafür bezahlt, dass es einen Ozean überquert, es kulturell entwurzelt, es seiner wichtigen Bezugspersonen beraubt, dann nenne ich das Kinderhandel."

Schutz der Kinder
"Ich habe folglich viel über dieses Problem nachgedacht und bin mittlerweile überzeugt davon, dass internationale Transfers - ich betone, internationale Transfers - von Spielern unter 18 Jahren untersagt werden müssen. Und dies in vollem Einklang mit den Statuten der FIFA. Manche mögen von Arbeitnehmerfreizügigkeit sprechen. Ich spreche vom Schutz von Kindern. Manche mögen von Wettbewerbsrecht sprechen. Ich spreche vom Recht auf Schutz der menschlichen Integrität. Vom Recht eines Kindes, im Schoße der Seinen aufzuwachsen."

Bedeutender Faktor
Platini erklärte seinen Zuhörern, dass der Fußball ein bedeutender Faktor zur Förderung von Integration und Toleranz in einem pessimistischen Europa ist. "Ich bin der Ansicht, dass der Fußball in sozialen Fragen eine Pionierrolle übernehmen muss und sogar zu Fortschritten auf dem Weg hin zur Lösung schwieriger politischer Probleme beitragen kann", sagte er. " Der Fußball überschreitet Grenzen, überwindet Hemmnisse, der Fußball baut Vorurteile ab und bekämpft resolut Diskriminierungen überall dort, wo sie bekämpft werden müssen. Rassismus, Ausgrenzung, Sexismus und Homophobie können nicht toleriert werden."

Werte wiedergewinnen
"Das Europäische Parlament ist die größte demokratisch gewählte Institution unseres Kontinents. Die UEFA organisiert und strukturiert die größte Leidenschaft der Europäer. Gemeinsam können wir das Vertrauen in die positiven Werte, die Europa vermittelt, wiedergewinnen."

Radikale Änderungen
"Der Fußball bleibt für mich eine wundervolle Sportart", sagte Platini zum Abschluss. "Aber wenn wir wollen, dass all das bestehen bleibt, muss sich vieles ändern. Wenn wir verhindern wollen, dass der Fußball seine Seele verliert und von innen zerfressen wird, muss man dem zuvorkommen und einige Verhaltensweisen und vor allem einige Regeln radikal ändern. Ich werde alles dafür tun."

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