Die Fußballgemeinde zusammenführen - Aleksander Čeferin

Im Interview mit UEFA Direct spricht der UEFA-Präsident über seine Pläne in den kommenden Jahren und blickt auf seine schönsten Fußballerinnerungen zurück.

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin
UEFA-Präsident Aleksander Čeferin ©UEFA

Was ist Ihre erste Fußballerinnerung?
Die Fernsehübertragung des WM-Finales 1978. Ich war damals zehn Jahre alt und erinnere mich sehr genau an dieses Spiel zwischen Argentinien und den Niederlanden. Das Stadion war ausverkauft und die Fans warfen Papierschnipsel auf das Spielfeld – und ich erinnere mich an Mario Kempes. Was für ein Spieler!

Haben Sie früher oft Fußball geschaut und welches Team interessierte Sie besonders?
Ja, ich habe die ganze Zeit Fußball geschaut. Ich war Fan von Hajduk Split, das damals zu den besten Teams im ehemaligen Jugoslawien gehörte.

Was empfinden Sie, wenn Sie ein Stadion betreten?
In ein Stadion zu gehen, ist immer ein magischer Moment für mich. Es liegt stets eine gewisse Spannung in der Luft. Alles, was man sieht und hört, ist ganz besonders.

Aleksander Čeferin mit dem EM-Pokal
Aleksander Čeferin mit dem EM-Pokal©UEFA

Welches war das erste Spiel, das Sie besucht haben?
Das werde ich nie vergessen. Es war ein WM-Qualifikationsspiel zwischen Jugoslawien und Dänemark 1980 in Ljubljana. Die damalige jugoslawische Mannschaft war großartig und ich mochte vor allem Safet Sušić und Zlatko Vujović; sie waren fantastische Spieler. Es war speziell, da das Stadion komplett überfüllt war; sie hatten zu viele Tickets verkauft, weshalb ich das Spielfeld die meiste Zeit gar nicht sehen konnte… es standen zu viele Erwachsene vor mir. Aber es war trotzdem ein unvergessliches Erlebnis!

Wer ist Ihr Lieblingsspieler und weshalb?
Mein liebster Spieler aller Zeiten ist der Brasilianer Ronaldo. Was für ein Phänomen… seine Technik, seine Fitness – einfach ein Naturtalent. Es war einfach toll, ihm zuzusehen. Er war der Beste.

Welches war das schönste Tor, das Sie jemals gesehen haben?
Meine zwei Lieblingstore sind der unglaubliche Volley von Marco van Basten gegen die UdSSR im EM-Endspiel 1988 und der wunderbare Treffer von Zinédine Zidane im Finale der UEFA Champions League 2002. Das waren wirklich herausragende Tore.

Was war Ihr denkwürdigster Moment im Fußball als Fan und als Präsident des slowenischen Verbands?
Als Slowenien sich 2010 für die WM qualifizierte. Wir schlugen Russland zu Hause mit 1:0 und sicherten uns so einen Platz im Turnier in Südafrika. Zlatko Dedić erzielte in dieser Playoff-Begegnung das entscheidende Tor. Es war ein toller Tag.

Aleksander Čeferin spielt seit seiner Kindheit Fußball
Aleksander Čeferin spielt seit seiner Kindheit Fußball©UEFA

Spielen Sie selber Fußball und auf welcher Position?
Ich habe von Kindesbeinen an gekickt. Im Fußball spielte ich normalerweise im zentralen Mittelfeld. Heute spiele ich meistens mit Freunden Futsal.
 

Wie sind Sie im slowenischen Verband aktiv geworden?
Das ist eine interessante Geschichte. 2011 trat der damalige Präsident des Slowenischen Fußballverbands zurück und man hat mich gefragt. Mir wurde gesagt, dass der Verband wirklich jemanden möchte, der Ordnung in die Organisation bringt. Sie haben es geschafft, mich zu überzeugen, und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Nun wurden Sie kürzlich in Athen zum UEFA-Präsidenten gewählt. Wie hat sich das angefühlt?
Ehrlich gesagt war der Tag des Kongresses für mich ein wenig surreal. Ich war in den Wochen zuvor so beschäftigt gewesen mit Reisen und Leute in ganz Europa treffen, dass ich meinen Wahlsieg nicht sofort realisierte. Erst nach einer Weile habe ich begriffen, was ich erreicht hatte. Erst an meinem ersten Tag hier im Büro in Nyon dachte ich: „Wow, jetzt bin ich wirklich hier.“

Erzählen Sie uns von Ihren ersten Tagen als UEFA-Präsident, Ihren ersten Reisen. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Ich fühlte mich großartig, als ich mein Amt antrat. Unmittelbar nach meiner Wahl traf ich mich mit vielen Präsidenten und Generalsekretären von Nationalverbänden, aber auch mit vielen anderen Interessenträgern wie Vereinspräsidenten, Sponsoren usw., denn wir müssen zusammenstehen, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen und die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Was die Leute anbelangt, die bei der UEFA arbeiten, habe ich mich wirklich gefreut zu sehen, dass so viele von ihnen sich mit großer Begeisterung für die Förderung und den Schutz unseres Sports einsetzen. Dies stimmt mich optimistisch, dass wir in der Zukunft großartige und positive Dinge erreichen können.

Inwiefern ist Ihnen Ihre Erfahrung an der Spitze des slowenischen Verbands bei der UEFA nützlich?
Meine Rolle als Präsident des Slowenischen Fußballverbands hat mir einen wertvollen Einblick in die Funktionsweise von kleinen und mittelgroßen Verbänden gegeben. Dies war während der Kampagne sehr wichtig und ist es auch jetzt, denn dieses Wissen trägt dazu bei, dass ich die verschiedenen Mitgliedsverbände besser verstehe.

Was sind Ihre Prioritäten als siebter Präsident der UEFA?
Ich möchte die Fußballgemeinde durch Dialog, Inklusion, Solidarität und Gleichstellung von Männern und Frauen näher zusammenbringen. Wir müssen den Fußball als Ganzes schützen. Dabei denke ich an Dopingbekämpfung, Klublizenzierung, finanzielles Fairplay, Sicherheit, Integrität und den Kampf gegen Diskriminierung wie auch die Verankerung von Good Governance, gestützt auf Transparenz und Effizienz. Schließlich möchte ich über die langfristige Erhöhung der Teilnehmerzahlen durch nachhaltige und sozial verantwortliche Initiativen zum Wachstum des Fußballs beitragen.

Welche Ideen möchten Sie einbringen, um zur Entwicklung des Frauenfußballs beizutragen?
Ich setze mich für die Entwicklung des Frauenfußballs ein und habe deshalb bei der UEFA eine Abteilung Frauenfußball gegründet. In diesem Bereich besteht enormes Entwicklungspotenzial. Ich überlege auch, wie die UEFA Women’s Champions League verbessert werden könnte, damit sie noch mehr Aufmerksamkeit erhält, als dies heute bereits der Fall ist.

Wie wichtig ist Breitenfußball?
Breitenfußball ist von entscheidender Bedeutung, weshalb ich das beste Breitenfußballprogramm der Geschichte umsetzen möchte. In enger Zusammenarbeit mit allen Mitgliedsverbänden entwickeln wir eine kurz-, mittel- und langfristige Strategie, um sicherzustellen, dass der Fußball für die kommenden Generationen der beliebteste Sport in Europa bleibt. Und dies kann nur durch die Umsetzung eines globalen Breitenfußballprogramms zur Erhöhung und Erhaltung der Teilnehmerzahlen erreicht werden.

Der UEFA-Präsident wird mit den 55 Nationalverbänden der UEFA eng zusammenarbeiten
Der UEFA-Präsident wird mit den 55 Nationalverbänden der UEFA eng zusammenarbeiten©UEFA

Die Nationalverbände sind die Eckpfeiler der Fußballentwicklung. Wie werden Sie mit allen 55 UEFA-Mitgliedsverbänden zusammenarbeiten?
Ich werde alle 55 Nationalverbände und ihre Präsidenten durch verschiedene Maßnahmen, darunter eine weitere Stärkung des Programms für Verbandsspitzen (TEP) sowie der UEFA-Kommissionen, in die Entscheidungsprozesse einbinden. Ich denke, dass unsere gemeinsamen Ziele nur durch offenen Dialog erreicht werden können, indem die Interessen der verschiedenen Beteiligten einbezogen, das gesamte Umfeld analysiert und die Möglichkeiten und Stärken unserer Nationalverbände berücksichtigt werden. Ihre Meinungen sind für die UEFA ausschlaggebend.
 

Wie wichtig sind die Fans für das Wohlergehen des Fußballs?
Ohne Fans gibt es keinen Fußball. Die Fans sind die Seele unseres Sports und wir brauchen ihre Leidenschaft und ihre Begeisterung, um den Fußball am Leben zu erhalten. Sie sind von zentraler Bedeutung für das Wohlergehen des Fußballs und ich bin sehr glücklich darüber, dass so viele Millionen Fans unsere Wettbewerbe lieben.

Sie sind kein ehemaliger Profispieler. Ist es wichtig, dass ehemalige Spieler in Fußballangelegenheiten involviert sind?
Ja, ich denke, dass ehemalige Fußballer in die Administration einbezogen werden müssen. Sie können eine neue Perspektive bieten und ich schätze das.

Was halten Sie von der UEFA-Initiative im Bereich Klublizenzierung und finanzielles Fairplay?
Das finanzielle Fairplay funktioniert und die Verluste im europäischen Fußball sind seit seiner Einführung um über 80 % zurückgegangen. Wichtig ist, dass die Anforderungen des finanziellen Fairplays nicht nur auf Vereine angewendet werden, die an UEFA-Klubwettbewerben teilnehmen wollen… sie sollten schrittweise auch auf nationaler Ebene eingeführt werden, um sicherzustellen, dass die Vereine im Rahmen ihrer Möglichkeiten und nachhaltig wirtschaften – unabhängig davon, an welchem Wettbewerb sie teilnehmen.

Sie haben die Einführung von Amtszeitbegrenzungen für Exekutivkomiteemitglieder und UEFA-Präsidenten ins Spiel gebracht. Weshalb?
Ich bin der Meinung, dass die Amtszeiten für den UEFA-Präsidenten und die Mitglieder des Exekutivkomitees begrenzt werden sollten. Nach einer gewissen Zeit braucht es frischen Wind und Leute mit neuen Ideen zum Wohle der Entwicklung unseres Sports.