Was braucht es, um die UEFA Women's Champions League zu gewinnen?

Im Rahmen ihres Forschungsstipendienprogramms unterstützt die UEFA seit 2010 fußballbezogene Forschungsprojekte. Edson Filho und Jean Rettig präsentieren ihre Studie zur Leistung im Elitefrauenfußball.

Olympique Lyon feiert seinen Sieg in der UEFA Women’s Champions League 2016/17.
Olympique Lyon feiert seinen Sieg in der UEFA Women’s Champions League 2016/17. ©UEFA

Gründe für die Durchführung der Studie

Die meisten Forschungsstudien im Fußball konzentrieren sich auf den Männerfußball. Da Fußball aber bei Mädchen und Frauen überall auf der Welt zunehmend beliebter wird, haben wir uns entschlossen, die Faktoren zu untersuchen, die zu Spitzenleistungen im wichtigsten Wettbewerb im Frauenfußball, der UEFA Women’s Champions League, führen. Wir haben uns überlegt, zur Förderung der Geschlechtergleichstellung im Sport und zur Verbreitung von Leitlinien zu bewährten Vorgehensweisen bei der Trainerausbildung die besonderen Faktoren im Zusammenhang mit erfolgreichen Leistungen im Frauenfußball zu untersuchen.

Vorgehensweise

Spitzenleistungen im Fußball hängen von der individuellen und der Gruppendynamik sowie von weitergehenden kontextbezogenen Faktoren wie länderspezifischen Kriterien ab. Deshalb haben wir ein hierarchisches lineares Modell auf mehreren Ebenen verwendet, um die Profile erfolgreicher Trainer, Mannschaften und Länder, die in den letzten fünf Spielzeiten an der Women’s Champions League teilgenommen haben, zu erstellen.

Studienergebnisse

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Erfahrung des Trainers, die Qualität der Mannschaft als Ganzes, positive interkulturelle Effekte eines internationalen Kaders und die Qualität des Frauenfußballs auf nationaler Ebene entscheidende Faktoren für den Erfolg in der Women’s Champions League sind.

Bedeutung erfahrener Trainer

Erfahrene Trainer sind vermutlich erfolgreicher als Neulinge und Trainer mit der größten Erfahrung in der Women’s Champions League haben auch die größten Erfolgschancen. Eine andere Sichtweise besteht darin zu sagen, dass erfolgreiche Trainer ihren Job länger ausüben. Unabhängig davon kann ein stabiles Trainerumfeld ohne ständige Wechsel die Mannschaftsleistung fördern und langfristig dazu beitragen, Trainerausbildung und Gehälter zu regeln.

Das Team zuerst

Erfolgreiche Mannschaften in der Women’s Champions League gewinnen aufgrund der Qualität des Teams als Ganzes. Fußballmanager sollten intelligent investieren – große Summen für eine einzelne Spielerin oder einige wenige Starspielerinnen führen nicht unbedingt zu den gewünschten Ergebnissen und könnten die Gehälter übermäßig aufblähen.

Vorteil Vielfalt

Internationalisierung ist eine gute Sache, da vielfältige, mulitkulturelle Mannschaften wahrscheinlich erfolgreicher sind. Spielerinnen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen spielen unterschiedlich Fußball und setzen verschiedene defensive und offensive Taktiken ein, um letztendlich zu einer besseren Teamleistung beizutragen.

Stärkere Länder, stärkere Teams, stärkere Spielerinnen

Wir konnten einen Zusammenhang zwischen der FIFA-Rangliste und den Leistungen in der Women’s Champions League feststellen. Um den Standard im Frauenfußball weltweit anzuheben, ist es entscheidend, Ausbildungsinitiativen zu schaffen und finanzielle Anreize zu setzen, um Mädchen zum Fußball zu bringen, insbesondere in Ländern, in denen der Frauenfußball noch nicht so weit entwickelt ist bzw. noch wenig praktiziert wird.

Edson Filho ist Dozent für Sportpsychologie an der University of Central Lancashire. Sein Hauptinteresse ist die Untersuchung von Spitzenleistungen von Einzelpersonen und Mannschaften in Sport, Musik und bildender Kunst.

Jean Rettig ist Lehrbeauftragte an der Florida State University. Ihr Forschungsgebiet umfasst das Engagement von College-Sportlern und Teamdynamiken im Sport.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus UEFA Direct Nr. 174  

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