Von Kano nach Östersund: Salisu Abdullahi Gero erzählt von seiner „unglaublichen Reise“

Als Kind weigerte er sich, Fußballschuhe zu tragen, heute ist Salisu Abdullahi Gero ein wichtiges Mitglied des schwedischen Klubs Östersunds FK, der sich für die K.-o.-Phase der UEFA Europa League qualifiziert hat.

Der Östersunds FK hat sich für die K.-o.-Phase der UEFA Europa League qualifiziert.
Der Östersunds FK hat sich für die K.-o.-Phase der UEFA Europa League qualifiziert. ©Getty Images

Immer wieder spricht Salisu Abdullahi Gero von der „unglaublichen Reise“, die ihn vom Straßenfußball im nigerianischen Kano zu seinem heutigen Leben als Profifußballer in Schweden geführt hat. Saman Ghoddos, sein Mannschaftskamerad beim Östersunds FK, nennt ihn einen „Bär auf dem Spielfeld“, doch sind es wohl seine mentale Stärke und sein Siegeswille, die ihn ganz besonders auszeichnen.

Gero hat in Kano, Nigeria, mit dem Fußball begonnen.
Gero hat in Kano, Nigeria, mit dem Fußball begonnen.©Getty Images

Bescheiden, doch gleichzeitig voller Selbstvertrauen in seine eigenen Fähigkeiten, musste der 24-Jährige zahlreiche Hindernisse überwinden, um auf höchster Ebene Fußball spielen zu können. Als Kind spielte er, wann immer er konnte, obwohl die Voraussetzungen alles andere als perfekt waren. „Zu Hause in Afrika, wo ich aufgewachsen bin, hatten wir im Vergleich zu europäischen Kindern sehr wenig“, sagte er. „Als ich anfing, hatte ich keine Schuhe, spielte auf der Straße mit zahlreichen Flaschen und Steinen am Boden.“

Bei regelmäßigen Turnieren, bei denen die verschiedenen Straßen gegeneinander antraten, schliff er an seinen Fertigkeiten. Es ging sehr zur Sache, doch die Stimmung stets gut. Seine größte Herausforderung bestand vielleicht darin, mit Schuhen spielen zu lernen, da er es sich gewohnt war, barfuß zu spielen. Als er entdeckt wurde und auf einem richtigen Fußballfeld zu spielen begann, wo er die Möglichkeit hatte, Schuhe zu tragen, wurde alles anders. Sich an das Schuhwerk zu gewöhnen, dauerte eine ganze Weile.
„Das erste Mal, als ich versuchte, mit Schuhen zu spielen, fühlte ich mich gar nicht wohl – es wollte mir einfach nichts gelingen. Ich war es mir nicht gewohnt, und nach zehn Minuten sagte ich, dass ich lieber ohne Schuhe spielen würde. Der Schiedsrichter wollte mir das jedoch nicht erlauben, da alle anderen Schuhe anhatten. Ehrlich gesagt hätte ich damals nicht gedacht, dass ich je mit Schuhen spielen kann, doch ich versuchte es immer wieder und trainierte manchmal mit und manchmal ohne.“

Salisu Abdulalhi Gero spielte bei der FIFA-U20-WM 2013 in der Türkei für Nigeria.
Salisu Abdulalhi Gero spielte bei der FIFA-U20-WM 2013 in der Türkei für Nigeria.©Getty Images

In den vergangenen Jahren trug Gero zahlreiche Fußballschuhe, mit denen er auf allen Ebenen Tore erzielte. Die Trainer in seiner Heimat entdeckten ihn schon früh, und er wurde aufgeboten, seine Heimat bei der FIFA-U20-WM in der Türkei zu vertreten. Seine Leistungen bei diesem Turnier blieben nicht unbemerkt und schon bald erhielt er zahlreiche Angebote. „Talentspäher aus verschiedenen Ländern interessierten sich für mich. Über Schweden hörte ich, dass es ein sehr gutes Land sei, in dem man sich wirklich willkommen fühle“, sagte er.

Nach der FIFA-U20-WM landete er im benachbarten Dänemark, doch bereits eine Saison später wurde ihm klar, dass es Zeit war, nach Schweden zu gehen, und diesen Entscheid hat er nie bereut. „Ich kannte damals Gbenga Arokoyo, der für Mjällby AIF spielte, und ich habe mit ihm gesprochen. Er sagte mir, dass ich nach Schweden kommen solle, da man sich dort so willkommen fühle wie in keinem anderen Land und dass mich alle lieben würden.“

Abgesehen von anfänglichen Schwierigkeiten mit den neuen Essgewohnheiten und dem kalten Wetter hat sich Gero schnell eingelebt, was er nicht nur seinen Mannschaftskameraden zuschreibt, sondern auch den Bewohnern von Östersund, die seiner Ansicht nach „absolut tolle Menschen“ sind.

Gero gehört in Östersund einem vielfältigen Team an.
Gero gehört in Östersund einem vielfältigen Team an.©Getty Images

Gero gehört in Östersund einem vielfältigen Team an – seine Mitspieler stammen unter anderem aus dem Irak, Syrien und von den Komoren. Mit seinem Stürmerkollegen Saman Ghoddos, der in Malmö geboren wurde, jedoch für den Iran spielt, versteht er sich besonders gut, während die Integration auch mit außergewöhnlichen Teambuilding-Aktivitäten wie Ballett gefördert wird. „Ich denke, die hiesige Kultur macht uns als Familie stärker“, erklärt er. „Wir haben einige fantastische Betreuer und wir sind wirklich wie eine Familie, da wir oft gemeinsam lachen und sowohl auf als auch neben dem Spielfeld viel Zeit miteinander verbringen. Das hilft uns, an dieselben Dinge zu glauben und uns auf unsere Aufgabe auf dem Spielfeld zu konzentrieren.“

Gero hat auch neben dem Spielfeld eine „unglaubliche Reise“ hinter sich und so in Schweden ein neues Zuhause gefunden. Er ist fest entschlossen, auf dem Spielfeld weitere Kapitel in der Geschichte des Östersunds FK zu schreiben. „Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass wir heute hier stehen würden, doch im Fußball kann alles passieren. Es ist eine lange Reise mit vielen Geschichten, doch wenn du an dich glaubst, wird der Erfolg greifbar.“

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