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UEFA - die 1990er und das neue Jahrtausend

UEFA - die 1990er und das neue Jahrtausend
Lennart Johansson war 17 Jahre lang UEFA-Präsident ©UEFA.com

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In den 1990er-Jahren und dem neuen Jahrtausend durchlief der Fußball ein geradezu explosives Wachstum und eine ebenso rasante Entwicklung. Einflüsse wie Fernsehen, Marketing, Sponsoring und globale Kommunikation veränderten das Gesicht des Sports, während politische Umwälzungen Europas Landkarte veränderten. Einmal mehr war die UEFA am Puls der Zeit und initiierte eine Reihe innovativer Maßnahmen oder war an diesen beteiligt. Die führenden Figuren dieser Zeit waren UEFA-Präsident Lennart Johansson (Schweden), der 1990 in dieses Amt gewählt wurde, und Gerhard Aigner (Deutschland), der 1989 als UEFA-Generalsekretär auf Hans Bangerter (Schweiz) folgte.

1996 in England nahmen erstmals 16 Teams an einer UEFA-Europameisterschafts-Endrunde teil. Der Pokal der europäischen Meistervereine wurde 1992 umfassend reformiert und zur UEFA Champions League umgewandelt, dem prestigeträchtigsten Klubwettbewerb der Welt.

Als weiterer wichtiger Schritt, um den neuen Gegebenheiten im europäischen Vereinsfußball gerecht zu werden, wurde 1999 entschieden, den Pokal der Pokalsieger abzuschaffen und dafür den UEFA-Pokal auszubauen. Ab 2004/05 gab es in diesem Wettbewerb eine Gruppen- und eine K.-o.-Phase. Sowohl die UEFA Champions League als auch der UEFA-Pokal (seit 2009 UEFA Europa League) erwiesen sich als sportlich und kommerziell starke Wettbewerbe, die nicht nur Einkünfte zum Wohl des europäischen Fußballs generieren, sondern Fußballfans in ihren Bann ziehen.

Der Frauenfußball entwickelte derweil seine eigene Identität – 1982 kam es zum ersten europäischen Frauenwettbewerb, der bis 1989 zur UEFA-Frauen-Europameisterschaft weiterentwickelt wurde. 2001/02 wurde erstmals ein Vereinswettbewerb im europäischen Frauenfußball durchgeführt. In dieser Zeit wurden auch Futsal-Wettbewerbe für Nationalmannschaften und Vereine ins Leben gerufen.

Mit Beginn der 1990er-Jahre entstanden in Osteuropa neue Länder, was die Geburt neuer Nationalverbände, National- und Vereinsmannschaften sowie die darauffolgende Expansion verschiedener UEFA-Wettbewerbe mit sich brachte. Dies zeigt sich auch in der kontinuierlichen Einführung neuer Wettbewerbe (UEFA Intertoto Cup 1995, U18-Frauen-Europameisterschaft 1997/98 und UEFA-Regionen-Pokal für Amateurfußballer 1999).

Im Zuge der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs hielt die UEFA an ihrem Grundsatz fest, die durch den Sport generierten finanziellen Mittel in alle Ebenen des Fußballs zurückfließen zu lassen. Auch abseits des Rasens blieb die UEFA nicht untätig: Nach der Heysel-Tragödie 1985 in Belgien übernahm sie bei der Verbesserung der Sicherheit bei Fußballspielen eine Führungsrolle und führte bindende Sicherheitsstandards sowie die Sitzplatzpflicht bei UEFA-Spielen ein.

Während der 1990er führte der Integrationsprozess in Westeuropa zu einer Verstärkung der Kontakte zwischen der UEFA und der Europäischen Union (EU) hinsichtlich einer ganzen Reihe von Themen, wie etwa den grenzübergreifenden Fernsehübertragungen. Das Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs 1995 verpflichtete die UEFA (und den ganzen europäischen Fußball) dazu, umfassende Änderungen an den Bestimmungen bezüglich internationaler Transfers und des Einsatzes ausländischer Spieler durch die Vereine vorzunehmen.

Von 1987 an durchlief die UEFA ein dramatisches Wachstum bei der Mitarbeiterzahl und beim Budget. Ein Europa ohne Grenzen, die zunehmende Bedeutung der Fernsehrechte sowie fortschrittlichere und aggressivere Vermarktungstechniken, börsennotierte Klubs, die zunehmende Einmischung der Politik in den Fußball sowie der wachsende Einfluss der größten europäischen Fußballvereine machten sich ebenfalls bemerkbar und stellten die UEFA vor große rechtliche und politische Herausforderungen, die rasch bewältigt werden mussten. Nach drei Jahrzehnten in der Schweizer Bundeshauptstadt Bern zog die UEFA 1995 in die Westschweizer Stadt Nyon und eröffnete an den Ufern des Genfersees im Herbst 1999 ihr neues Hauptquartier.

Im Dezember 1999 entschied sich das UEFA-Exekutivkomitee dazu, den Verband umzustrukturieren. Die Verwaltung wurde modernisiert, neue Prioritäten wurden gesetzt und UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner wurde Geschäftsführer der UEFA-Administration, die sich weiter gemeinsam mit den Kommissionen und Expertenausschüssen um alle Facetten des modernen Fußballs kümmerte.

Zu dieser Zeit wurde erkannt, dass die Vereine und Profiligen im Rahmen der UEFA-Aktivitäten eine größere Repräsentation erhalten sollten. Die UEFA verfolgte einen verstärkten Dialog mit den Spitzenvereinen und -ligen, während sie gleichzeitig ihre langfristige Verbindung mit ihren Mitgliedsverbänden aufrechterhielt. Es war offensichtlich, dass die UEFA, um ihre Glaubwürdigkeit sowohl sportlich als auch kommerziell zu wahren, das gesamte Spektrum der Fußballfamilie einbeziehen musste – die Spitzenvereine, die den großen europäischen Wettbewerben beträchtliche Einnahmen einbrachten, eingeschlossen.

Beim Kongress in Stockholm im April 2002 wurde Lennart Johansson für eine vierte Amtszeit als UEFA-Präsident bestätigt. Da auf den in Rente gehenden Gerhard Aigner als Geschäftsführer Lars-Christer Olsson folgte, standen ab 2004 zwei Schweden an der Spitze der UEFA. Das skandinavische Duo führte die Organisation 2004 durch die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen, die mehrere Veranstaltungen und Sonderprojekte umfassten.

Ferner verfolgte die UEFA weiter ihr Bestreben, im Rahmen des künftigen EU-Rechts größere Rechtssicherheit für den Sport sowie die Anerkennung des Sonderstatus des Sports zu erlangen. Der Dialog mit der EU konzentrierte sich auf konkrete Herausforderungen des Sports und die Frage, wie die EU-Institutionen, die EU-Mitgliedstaaten und die europäischen Fußballinstanzen einen umfassenden und robusten Rechtsrahmen für den europäischen Sport im Allgemeinen und den Fußball im Besonderen bereitstellen können.

Bei den Klubwettbewerben feierte die UEFA Champions League (ehemals Pokal der europäischen Meistervereine) ihr 50-jähriges Bestehen; der Wettbewerb ist sowohl in fußballerischer Hinsicht als auch in Sachen Medienaufmerksamkeit und Vermarktung eine Erfolgsgeschichte. Mit Beginn der Saison 2003/04 wurde ein neues Format mit einer Gruppenphase und einer K.-o.-Phase mit 16 Teams geschaffen. Zur gleichen Zeit wurde daran gearbeitet, den UEFA-Pokal aufzuwerten, wobei die Einführung einer Gruppenphase mit 40 Mannschaften einen wichtigen Schritt nach vorne darstellte. Bei den Nationalmannschaften setzte die UEFA EURO 2004 in Portugal neue Maßstäbe und die wunderbare Unvorhersehbarkeit des Fußballs wurde durch den Titelgewinn von Außenseiter Griechenland bestätigt.

Innerhalb der UEFA wurde mit der Euro 2008 SA eine sich vollständig im Besitz der UEFA befindliche Tochtergesellschaft gegründet und mit der Organisation der UEFA EURO 2008 in Österreich und der Schweiz beauftragt. Der Kampf gegen Doping wurde intensiviert und innerhalb der UEFA-Administration wurde eine neue Antidoping-Abteilung geschaffen.

Das UEFA-Klublizenzierungsverfahren existiert seit der Saison 2004/05 und bezweckt, einen Rahmen für die Vereine zu schaffen, innerhalb dessen sie effizienter wirtschaften können. Die Qualitätsstandards im europäischen Fußball sollen durch die Bereitstellung angemessener finanzieller Instrumente sowie die Anpassung der sportlichen, administrativen und rechtlichen Struktur der Vereine verbessert werden; im Hinblick auf die Erfüllung der Lizenzanforderungen der UEFA umfasst dieses Bestreben auch die Steigerung ihres wirtschaftlichen und finanziellen Potenzials.

Die UEFA führt außerdem unermüdlich Kampagnen in verschiedenen gesellschaftlichen und humanitären Bereichen, darunter etwa den Kampf gegen Rassismus. Darüber hinaus wurden Partnerschaften mit anderen Organisationen eingegangen, da der Fußball in den Augen der UEFA zum Wohle der Gesellschaft genutzt werden kann. Im neuen Jahrtausend hielt die UEFA zudem mit der rasanten Entwicklung der neuen Medien mit, indem 2001 die neue Tochtergesellschaft UEFA New Media (die später in UEFA Media Technologies SA umbenannt wurde) gegründet wurde. Außerdem gab es einen Relaunch von UEFA.com.

Im Januar 2007 wurde Michel Platini (Frankreich), einer der weltbesten Spieler der 1980er Jahre, beim XXXI. Ordentlichen UEFA-Kongress in Düsseldorf zum Präsidenten gewählt. Nach 17 Jahren herausragender Arbeit für den europäischen Fußball wurde Lennart Johansson zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Letzte Aktualisierung: 25.05.17 19.06MEZ