Jubiläumsfeiern - und immer am Puls der Zeit

Im 60. Jahr der UEFA blicken wir weiterhin auf sechs erfolgreiche Jahrzehnte zurück. Diesmal ist das neue Jahrtausend dran, in dem der 50. Geburtstag gefeiert und ein neuer UEFA-Präsident inthronisiert wurde.

Traianos Dellas und Konstantinos Katsouranis feiern den griechischen Triumph bei der UEFA EURO 2004
Traianos Dellas und Konstantinos Katsouranis feiern den griechischen Triumph bei der UEFA EURO 2004 ©AFP

Der 60. Geburtstag der UEFA in diesem Jahr ist für uns Anlass, zurückzublicken auf sechs bemerkenswerte Jahrzehnte der europäischen Fußballgeschichte. Wir haben das neue Jahrtausend erreicht, in dem die UEFA als Organisation weiterhin vorangeht und Schritt hält mit den sich permanent ändernden Zeiten. Und der europäische Fußball hält uns mit seinen Wettbewerben und seinen großen Stars nach wie vor in Bann.

2004 feierte die UEFA ihr goldenes Jubiläum. Dieses Jahr wurde begangen mit einer Reihe von besonderen Ereignissen und Aktivitäten, und jede Nation wurde gebeten, einen Spieler aus dem eigenen Lande zum Spieler der letzten 50 Jahre zu nominieren. Eine Reihe großer Namen wurde ausgewählt, darunter Superstars wie Franz Beckenbauer, Johan Cruyff, Alfredo Di Stéfano, Ferenc Puskás und Dino Zoff. Und der Franzose Zinédine Zidane wurde im Rahmen der Jubiläumswahl der UEFA als Europas Fußballer des vergangenen halben Jahrhunderts geehrt.

Die UEFA Champions League wuchs weiter und wurde zu einer sportlich und wirtschaftlich attraktiven Größe ungeahnten Ausmaßes. Real Madrid CF, der FC Barcelona und der AC Milan gewannen den Pokal zwischen 2000 und 2009 zweimal. Hinzu kamen der FC Bayern München, der FC Porto, Manchester United FC und Liverpool FC. Die Reds holten den Titel dank einer grandiosen Aufholjagd nach einem 0:3-Rückstand gegen Milan noch im Elfmeterschießen. Brillante Spieler wie Reals Zidane, Manchester Uniteds Cristiano Ronaldo und Barcelonas Lionel Messi rissen die Fans Woche für Woche zu Begeisterungsstürmen hin.

Im Bereich des Nationalmannschaftsfußballs fand eine EURO erstmals in zwei Ländern statt – 2000 in Belgien und den Niederlanden. Der Titel wurde im Finale dank eines Golden Goals entschieden. Verantwortlich für dieses Tor war Frankreichs David Trezeguet, der für einen 2:1-Sieg in Rotterdam über Italien sorgte.

Eine große Überraschung gab es vier Jahre später in Portugal. Griechenland, das unter dem deutschen Trainer Otto Rehhagel als einer der Außenseiter in dieses Turnier gegangen war, präsentierte sich als disziplinierte und widerstandsfähige Einheit und nahm Hürde für Hürde, ehe es im Endspiel – ebenso wie im Eröffnungsspiel – gegen Gastgeber Portugal einen Sieg gab. Das einzige Tor dieser Partie erzielte in Lissabon Angelos Charisteas per Kopf. Eine der größten Sensationen in der Geschichte des Fußballs. "Als der Schiedsrichter das Turnier beendete, war es, als würden die Lichter ausgehen", sagte Griechenlands Kapitän Theodoros Zagorakis. "Ein weiterer weißer Punkt in meinen Erinnerungen … das konstante Grinsen eines Idioten – für ich weiß nicht wie viele Minuten - in meinem Gesicht … unglaubliche Momente."

Auch 2008 waren wieder zwei Länder Gastgeber einer EURO: Österreich und die Schweiz. Diesmal setzte sich Spanien durch, im Finale in Wien wurde Deutschland dank eines Tores von Fernando Torres besiegt. Damit begann eine große Ära für die Spanier, die die FIFA-WM 2010 gewannen und zwei Jahre später in Polen und der Ukraine die UEFA EURO 2012 und damit den EM-Titel verteidigten. "Es war schön", sagte Mittelfeldspieler Xavi Hernández. "Vielleicht wird dieses Wort zu oft im Fußball verwendet, aber die Wahrheit ist, dass der Fußball, den wir beim Sieg 2008 gespielt haben, schön war. Wir gewannen mit einer Art Touch Football – in Kombination mit talentierten Spielern."

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde die Verwaltung der UEFA neu strukturiert, und so wurde UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner zum Generaldirektor. Neue Prioritäten wurden gesetzt. Die UEFA verstand sich nicht mehr nur als Verwaltungsbehörde sondern als Betreiberin eines dynamischen Geschäfts; den Anforderungen der neuen Zeiten Rechnung tragend. Gerhard Aigner erwies sich 14 Jahre lang als außergewöhnlicher Vorstand, und als er im Jahre 2003 zurücktrat, übernahm der Schwede Lars-Christer Olsson das Zepter. Olsson und der langjährige UEFA-Präsident Lennart Johansson hatten nun das Sagen, sodass zwei Schweden die Aktivitäten zum 50. Jahrestag der UEFA verantworteten.

Während dieser Periode wurde der Dialog mit den Klubs und Profiligen intensiviert. 2002 zählte die UEFA 52 Mitgliedsverbände. Um eine größere Rechtssicherheit für den Sport und eine Anerkennung der besonderen Rolle des Sports im Rahmen der EU-Gesetzgebung zu gewährleisten, kämpfte die UEFA an allen Fronten. Das UEFA-Klub-Lizenzierungssystem, das ab der Saison 2004/05 zum Einsatz kam, war eine weitere wichtige Neuerung, die den Vereinen dabei helfen sollte, ihre finanziellen Angelegenheiten besser zu regeln.

Der Ordentliche UEFA-Kongress in Düsseldorf im Januar 2007 brachte einen neuen Mann an die Spitze des europäischen Fußballs. Der Franzose Michel Platini, der dreimal Europas Fußballer des Jahres war und 1984 auf heimischem Boden seine Elf als Kapitän zum Triumph bei der EURO geführt hatte, wurde zum neuen UEFA-Präsidenten gekürt. Lennart Johansson, der die UEFA 17 Jahre lang geführt hatte, wurde Ehrenpräsident der UEFA. "Fußball ist ein Schatz, ein einfaches und ungemein populäres Spiel. Ich möchte diesen Schatz schützen und verteidigen", erklärte der neue UEFA-Präsident nach seiner Wahl. "Ich werde als leidenschaftlicher und unbestechlicher Diener des Fußballs arbeiten, den wir alle lieben. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, ihn weiterzuentwickeln und dabei nicht nur sein Vermächtnis schützen, sondern es auch veredeln." Der Schotte David Taylor wurde kurze Zeit später UEFA-Generalsekretär.

Michel Platinis Präsidentschaft war der Startschuss für eine harmonische Zeit innerhalb des europäischen Fußballs. Die Gründung der European Club Association (ECA) und die Unterzeichnung einer Grundsatzvereinbarung zwischen diesem neuen Gremium und der UEFA im Januar 2008 ebneten den Weg für eine neue Ära positiver Beziehungen. Die Formate von diversen UEFA-Wettbewerben wurden verändert. Im September 2008 beschloss die UEFA, das EURO-Teilnehmerfeld ab 2016 auf 24 Teams auszuweiten. Somit haben noch mehr europäische Verbände die Möglichkeit, an EM-Endrunden teilzunehmen. Von der Saison 2009/10 an wurde der UEFA-Pokal nach 37 Jahren von der UEFA Europa League abgelöst, bei der jetzt 48 Teams die Gruppenphase bestritten. Durch diese Ausweitung kam es zu einer sportlichen und finanziellen Aufwertung dieses zweitwichtigsten Europapokal-Wettbewerbs. Auch der Frauenfußball und Futsal erhielten ihre eigenen Europapokal-Wettbewerbe.

Auch der intensive Dialog mit der Europäischen Union nahm an Fahrt auf. Die UEFA nahm Kontakt zu den Fußballfans aus, 2007 gab es ein erstes Treffen zwischen Fangruppierungen und dem europäischen Fußball-Dachverband. Mit großer Intensität wurde der Kampf gegen Doping, Korruption und das illegale Wettgeschäft weitergeführt. Auch auf sozialer und humanitärer Ebene wurde viel erreicht, zusammen mit anderen Organisationen engagierte sich die UEFA im Kampf gegen Rassismus. Leitspruch der UEFA ist es, dass der Fußball die Kraft hat, für eine bessere Gesellschaft zu sorgen. Im September 2009 gab das UEFA-Exekutivkomitee grünes Licht für ein finanzielles Fairplay-Konzept, das die zunehmende Verschuldung vieler Klubs stoppen und die künftige Stabilität des europäischen Fußballs gewährleisten soll.

Im selben Monat stimmte das UEFA-Exekutivkomitee auch der Gründung einer neuen Gesellschaft zu, der UEFA Events SA. Dieses Unternehmen ist seither verantwortlich für die finanziellen Unternehmungen der UEFA. David Taylor wurde zum Vorstandsvorsitzenden ernannt und Gianni Infantino übernahm seine Rolle als Generalsekretär der UEFA. Auch mit 50 Jahren zeigte die UEFA noch eine beeindruckende Tatkraft und Energie …