Löw und sein erstaunliches Luxus-Problem

Joachim Löw hat den "härtesten Konkurrenzkampf" aller Zeiten ausgerufen. Bis zur FIFA-WM nächsten Sommer muss er zahlreiche Top-Spieler gnadenlos aussortieren.

DFB-Elf: Überschüssige Qualität in allen Mannschaftsteilen
DFB-Elf: Überschüssige Qualität in allen Mannschaftsteilen ©Getty Images

Beim FIFA Confed Cup hat Joachim Löw von seinem erweiterten Nationalkader Gebrauch gemacht. Das Experiment erwies sich als voller Erfolg und weil der Nachwuchs gleichzeitig bei der UEFA-U21-Europameisterschaft glänzte, erreicht der Konkurrenzkampf acht Monate vor der WM eine völlig neue Dimension.

Zunächst einmal gilt es natürlich, die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Russland unter Dach und Fach zu bringen. Aber die anstehenden Spiele gegen die Tschechische Republik und Norwegen sind zwei von höchstwahrscheinlich nur acht Partien, welche die Nationalmannschaft bis zur Kader-Nominierung im Mai 2018 noch bestreiten wird.

"Es ist eine relativ begrenzte Zeit, die wir noch mit den Spielern haben", erklärte Oliver Bierhoff. "Wir wollen einen anhaltenden Konkurrenzkampf haben, was aber nicht heißen soll, dass bewährte Spieler in Frage gestellt werden."

Die Qual der Wahl
Die Qual der Wahl©UEFA.com

Der Manager entschärfte damit die Worte seines Bundestrainers ein wenig. Löw hatte zuvor gesagt, dass Potenzial, Talent und bislang gezeigte Leistungen sind kein Freifahrtschein" wären und sprach von dem "härtesten Konkurrenzkampf" seiner elfjährigen Amtszeit.

Fest steht schon jetzt: Löw wird einige kontroverse Entscheidungen treffen. In der Vergangenheit hat er sich oft auf sein Bauchgefühl verlassen. Im Zweifelsfall bevorzugte er einen vertrauten Spieler und ließ den vermeintlich formstärkeren Akteur zuhause.

Bei solchen Entscheidungen spielen aber auch Nuancen eine Rolle. Wie passt der Spieler in eine Gruppe, die womöglich sieben Wochen lang jeden Tag zusammen ist und ein ambitioniertes Ziel verfolgt? Welche Vielseitigkeit bietet er? Hat der Spieler schon bewiesen, dass er mit dem größtmöglichen Druck fertig werden kann?

Löw sieht den Kandidatenkreis bei etwa 35 - 40 Spielern, doch dies scheint eher eine konservative Schätzung. Darüber hinaus gibt es locker noch etwa zehn Spieler, die in der Lage sind, mit einer herausragenden Saison auf den WM-Zug aufzuspringen. Kein Wunder, dass Löw die Situation als "großes Geschenk" bezeichnet.