Neulengbach im Konzert der Großen
Dienstag, 3. November 2009Mit dem Einzug ins Achtelfinale der UEFA Women's Champions League ist SV Neulengbach eine kleine Sensation gelungen. Dort treffen die Österreicherinnen, die die letzten sieben Jahre jeweils Meister ihres Landes waren, auf den italienischen Klub ASD Torres Calcio. uefa.com bat Neulengbach-Trainerin Mag. Olga Hutter vor dem Hinspiel zum Gespräch über den Ist-Zustand des Frauenfußballs in Österreich.
uefa.com: Frau Hutter, wie beurteilen Sie den Stellenwert des Frauenfußballs in Österreich?
Mag. Olga Hutter: In Österreich ist Frauenfußball eine Randsportart. Die Situation im österreichischen Fußballverband wird zwar von Jahr zu Jahr ein bisschen besser, aber in der breiten Öffentlichkeit wird Frauenfußball so gut wie überhaupt nicht wahrgenommen.
uefa.com: Österreich war geschichtlich gesehen eigentlich ein Vorreiter. Immerhin war es eines der ersten Länder, in denen ein Frauenfußball-Verein gegründet wurde.
Hutter: Ich habe in meinem Beruf als Lehrerin sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Eltern Fußball für Mädchen als nicht geeignet betrachten. In der letzten Zeit hat sich die Situation diesbezüglich aber etwas gebessert. In Österreich wird der meiste Wert auf Skifahren gelegt wird, weil dort die größten Erfolge gefeiert werden. In weiterer Folge leiden da auch wir darunter.
uefa.com: Wo liegen die Hauptprobleme?
Hutter: Wie soll ich eine Fußballerin weiterentwickeln, wenn sie nicht einmal für die Spiele Urlaub von ihrem Arbeitgeber bekommt? Das ist ein riesiges Problem. Die Spielerinnen sind allesamt keine Profis, dadurch können sie ihre Konzentration nicht nur auf den Fußball legen. Nur durch öffentliches Interesse und Sponsoren kann daran etwas geändert werden. Manche meiner Spielerinnen arbeiten bis 18 Uhr im Verkauf und sollen dann um 19 Uhr zum Training kommen. Sind wir uns ehrlich, dass geht einfach nicht. Wir trainieren bei Neulengbach drei Mal die Woche, das ist viel zu wenig.
uefa.com: Sie sind mit ihrem Klub SV Neulengbach Serienmeister. Wie schätzen Sie die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga?
Hutter: Es ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. USC Landhaus ist der größte Konkurrent. Sie haben ihr Team verjüngt, die meisten Talente aus Wien gehen zu diesem Klub. Aber es dauert ein paar Jahre, bis ein Team zusammenwächst. Für meine Mannschaft spricht einfach die internationale Erfahrung. Auch wenn wir in der Champions League meistens verlieren, lernen wir sehr viel dazu. Das Gelernte können wir in der Bundesliga umsetzen.
uefa.com: Welche Ziele haben Sie als Trainerin?
Hutter: Es wäre mein Traum, wenn ich eines Tages den Fernseher einschalte und eine Live-Übertragung vom österreichischen Frauenfußball sehen kann. Ich habe im Nationalteam der damaligen Tschechoslowakei gespielt. Da wurden alle Bewerbsspiele, die wir daheim gespielt haben, übertragen. Die Zeiten waren zwar unmöglich, aber wir waren im Fernsehen. Ich würde gerne durch meine Arbeit einen Teil dazu beitragen, dass mehr Menschen in Österreich den Frauenfußball wahrnehmen. Natürlich würde ich gerne mit Neulengbach die Champions League gewinnen, aber das ist nicht realistisch.
uefa.com: Mit Ernst Weber trainiert ein Mann die Frauennationalmannschaft. Glauben sie, dass es irgendwann auch umgekehrt möglich sein wird?
Hutter: Auf gar keinen Fall als Teamchefin. Vielleicht traut sich irgendwann ein österreichischer Verein, eine Frau als Trainerin zu verpflichten. Da wird aber erst ein langer Umdenkprozess einsetzen müssen.
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