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Fußball kehrt ins Mutterland zurück

Donnerstag, 17. April 2008
Jürgen Klinsmann feiert den Gewinn bei der UEFA-Europameisterschaft 1996Jürgen Klinsmann feiert den Gewinn bei der UEFA-Europameisterschaft 1996 (©Getty Images)Fotos/WallpapersFotos/Wallpapers »

Gibt es einen passenderen Austragungsort für die bisher größte Endrunde einer Fußball-Europameisterschaft als die Wiege des Fußballs in Europa? 16 Mannschaften, doppelt so viele wie bei der letzten Europameisterschaft, wurden in vier Gruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt. Doch nicht das Mutterland des Fußballs selbst, sondern der alte Rivale Deutschland sollte am Ende die Trophäe in Händen halten.

Vertrauen in Shearer
Das Turnier hätte kaum einen besseren Schauplatz finden können, in renovierten englischen Stadien und mit einer noch größeren öffentlichen Begeisterung. Ein perfekter Rahmen, auch wenn manche befürchteten, dass Schlüsselspieler wie Paul Gascoigne und Alan Shearer ihren Zenith bereits überschritten hätten. Doch Englands Trainer Terry Venables wurde für sein Vertrauen in Shearer, der 21 Monate torlos blieb, sofort belohnt.

Niederlande im Glück
Shearer traf sowohl beim 1:1 gegen die Schweiz als auch beim 2:0-Erfolg gegen Schottland, wo auch Gascoigne einen Treffer beisteuerte. Und es sollte noch besser kommen: beim tollen 4:1-Sieg gegen die Niederlande erzielten Shearer und Teddy Sheringham jeweils zwei Treffer. Die Niederlande sicherte sich dank des Ehrentreffers von Patrick Kluivert dennoch einen Platz im Viertelfinale auf Kosten der Schotten.

Enge Partien
Weniger Glück hatten Italien und Titelverteidiger Dänemark, die beide vorzeitig das Aus ereilte, noch bevor die Golden-Goal-Regel in der K.-o.-Runde das erste Mal griff. Die Tschechen setzte sich dank eines Treffers der Entdeckung Karel Poborský gegen Portugal durch, Matthias Sammer erzielte den Siegtreffer für Deutschland gegen Kroatien. England und Frankreich benötigten zum Weiterkommen das Elfmeterschießen, nachdem es gegen Spanien beziehungsweise die Niederlande 0:0 gestanden hatte.

Elfmeter entscheiden
Frankreich musste sich nach 120 torlosen Minuten gegen die Tschechen 20 Jahre nach Panenka im Elfmeterschießen geschlagen geben, und wieder stand nur das deutsche Team dem großen Triumph im Weg. Shearer hatte im Halbfinale England gegen Deutschland in Führung gebracht, doch Stefan Kuntz mit seinem Tor eine schnelle Antwort gefunden. Gascoigne hatte in der Verlängerung den Siegtreffer auf dem Fuß, im Elfmeterschießen reihte sich dann Gareth Southgate in die lange Liste englischer Fehlschützen bei Elfmeterschießen ein.

Deutschland siegt dank Bierhoff
76.000 Zuschauer strömten dennoch ins Wembley-Stadion, um Deutschland in ihrem fünften kontinentalen Finale zu verfolgen. Zuletzt hatte man 1992 überraschend gegen Dänemark verloren. Und auch diesmal sah es nicht gut aus, als Patrik Berger einen Elfmeter für die Tschechen verwandelte. Deutschland blieb jedoch unbeeindruckt und Berti Vogts wechselte Oliver Bierhoff ein, der per Kopf den Ausgleich erzielte. Vier Minuten waren in der Verlängerung gespielt, da brach Bierhoff die Herzen der Tschechen. Sein Schuss mag nicht der härteste gewesen sein, doch er fand den Weg vorbei an Tschechiens Petr Kouba - das erste Golden Goal des Wettbewerbs entschied das Finale. Mit einem Schlag gehörte das Spiel und das Turnier den Deutschen.

Neue Regeln
Es gab noch weitere Neuerungen. Bei Punktegleichstand zwischen zwei Mannschaften entschied zum ersten Mal nicht mehr die Tordifferenz, sondern das Spielergebnis des direkten Aufeinandertreffens über den Tabellenplatz. Im Rahmen des K.o.-Systems wurde - ebenfalls ein Novum für einen internationalen Wettbewerb der A-Nationalmannschaften - das sogenannte "Golden Goal" eingeführt, d. h., das erste in der Verlängerung erzielte Tor entschied das Spiel.

Hoffen auf Heimvorteil
England hoffte natürlich, genau wie bei der Weltmeisterschaft 1966, seine trübe Bilanz in diesem Wettbewerb durch einen Sieg im eigenen Land kippen zu können. Ob die Engländer nun über die entsprechende Mannschaft und die richtige Taktik verfügten, konnte niemand mit Bestimmtheit sagen.

Neue Mannschaft
Scheinbar war nicht einmal der neue Trainer dazu in der Lage. Nachdem Graham Taylor abgesägt worden war, weil sich die Mannschaft nicht für die letzte Weltmeisterschaft qualifizieren konnte, berief der englische Fußballverband Terry Venables auf den Posten des Nationaltrainers. Seit dessen Amtsübernahme hatte England nicht mehr gegen Mannschaften vom europäischen Kontinent verloren. Er brachte mit Darren Anderton, Steve McManaman, Jamie Redknapp und den Brüdern Phil und Gary Neville einige vielversprechende junge Talente in die Mannschaft, die jedoch immer noch stark von den Impulsen abhing, die Paul Gascoigne im Mittelfeld gab - und Alan Shearer hatte das Tor schon seit geraumer Zeit nicht mehr getroffen. Es sah so aus, als müsse der Heimvorteil die Entscheidung bringen, wenn England zum ersten Mal seit 30 Jahren einen Wettbewerb gewinnen wollte. Zumindest endete die Jahreszahl mit einer sechs, was als gutes Omen galt.

Überschaubare Konkurrenz
Und die Gegner sahen nicht gerade überragend aus. Die englische Mannschaft hatte kurz vor dem Turnier noch einige von ihnen geschlagen oder zumindest ein Unentschieden gegen sie erzielt: Bulgarien, Portugal, die talentierten Kroaten sowie die Schweiz, Gegner der englischen Mannschaft im Auftaktspiel. Deutschland machte einen weniger starken Eindruck als sonst, Spanien und Italien waren ziemlich unbekannte Größen, und Russland und Tschechien hatten keinen besonders guten Ruf. Frankreich nahm Eric Cantona aus dem Aufgebot, obwohl dieser im englischen Pokalfinale gerade den Siegestreffer erzielt und Manchester United FC damit zum zweiten Mal in Folge zum Erfolg geführt hatte.

Gefährlicher Gegner
Es gab jedoch noch einen potentiell gefährlichen Gegner in Englands Gruppe. In einem Relegationsspiel, in dem der letzte Platz für die Endrunde vergeben wurde, hatten die Niederlande die Republik Irland in Liverpool mit 2:0 geschlagen. Sie hatten bei dieser Gelegenheit das so charakteristische überlegene Kurzpassspiel gezeigt, das wir alle aus den Zeiten von Johann Cruyff und Ruud Gullit kennen. Interessant war auch die große Anzahl talentierter Jungspieler, die hier zum Einsatz kamen: Michael Reiziger und Winston Bogarde in der Abwehr, Edgar Davids und Clarence Seedorf im Mittelfeld und der 19-jährige Patrick Kluivert, der beide Tore erzielte.

Englischer Traum
Die Engländer mussten aber nicht nur dieser jungen niederländischen Riege Tribut zollen, sondern auch gegen ihre schottischen Nachbarn antreten, die für die gleiche Gruppe ausgelost worden waren, was der Sache natürlich zusätzlichen Reiz verlieh. Die Schotten konnten sich aber wahrscheinlich höchstens Hoffnungen auf eine Teilnahme am Viertelfinale machen. Die Gastgeber hatten da natürlich etwas höher gesteckte Ziele. England wollte den Geist von 1966 wiederaufleben lassen.

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Saison 1994 - 1996

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